Der Lunarkalender in
The Invisible Landscapevon Peter Meyer Übersetzung aus dem Englischen von Klaus Scharff Der synodische Monat (auch als mittlerer Lunarmonat bekannt) umfast ein Zeitintervall in Tagen, das sich zwischen zwei Konjunktionen von Sonne und Mond erstreckt. Für die Dauer dieses Zeitintervalls wird ein mittlerer Durchschnittswert berechnet. Der genaue Wert des synodischen Monats, während der 5000-Jahr-Periode von 500 v.Chr. bis 4500 n.Chr., beträgt 29.53059 Tage. Dreizehn synodische Monate ergeben 383.8977 Tage, dies sind fast 384 volle Tage. Die Beziehung 384 = 6 * 64 erinnert an das chinesischen I Ging, das 64 Hexagramme enthält, die ihrerseits aus jeweils 6 Linien aufgebaut sind.
Terence McKenna gab in THE INVISIBLE LANDSCAPE (Ausgabe 1975, Kapitel 8, Seiten 113-114) den Hinweis, das bei den neolithischen Chinesen ein Lunarkalender in Gebrauch war, bei dem das Jahr zu 384 Tagen aus dreizehn Monaten bestand (mit einer Monatslänge, die zwischen 29 und 30 Tagen alterniert). Eine Unterstützung für diese Idee ergibt sich aus der Tatsache, das (6*64*64)/6 = 4096 Tage genau 11.214 mittlere Sonnenjahre ausmachen, was der Periode von 11.2 Jahren für Sonnenfleckenzyklen recht nahe kommt. Es ist jedoch nicht sicher, ob es in der Absicht der neolithischen Chinesen lag, einen Kalender anzuwenden, der mit den Sonnenflecken synchron ging. Unabhängig davon, ob nun die alten Chinesen einen Lunarkalender in Gebrauch hatten oder nicht, ist eine solcher Kalender für die Menschen unserer Zeit durchaus von Interesse. Denn er reflektiert das Zunehmen und Abnehmen des Mondes, was einen wesentlichen Teil unsere alltäglichen Erfahrung von Zeit darstellt.
In einem Vortrag, den Terence McKenna unter dem Titel "A Calendar for the Goddess" am 10.3.1987 in Berkeley gehalten hat, schlug er (ernsthaft oder auch nicht) vor, einen neuen Kalender einzuführen, der ähnlich aufgebaut ist wie der, den angeblich die neolithischen Chinesen verwendet haben sollen. In diesem Kalender gibt es 13 Monate im Jahr, wobei die ungeraden Monate 30 Tage besitzen, die geraden Monate 29 Tage. Solch ein "Jahr" (es handelt sich hier nicht um ein Solarjahr) enthält daher genau 384 Tage. Ein Lunarmonat besitzt daher im Mittel 384/13 = 29.5385 Tage, was dem mittleren Lunarmonat von 29.53059 mittleren Sonnentagen ziemlich nahe kommt. Die Namen der Monate sollten den Monatsnamen des gegenwärtigen Gregorianischen Kalenders entsprechen, mit der Ausnahme, das zwischen August und September eine weiterer Monat mit dem Namen "Remember" einzufugen ist.
Ein Vorzug dieses Kalenders würde nach Meinung des Autors darin bestehen, das er uns von einem solaren Paternalismus befreien könnte, der im Dienste des Mythos von der solare Gottheit steht (ursprünglich der römische Kaiser, heute der Präsident, der Kanzler usw., der Hauptträger der Exekutive im modernen bürokratischen Nationenstaat). Die solare Gottheit herrscht über eine statische Ordnung der Zeit, in der alles, angefangen von den Jahreszeiten, seinen fixierten und ihm zugeteilten Platz einnimmt. Ein Kalender, in dem die Monate nicht länger an die Jahreszeiten gekoppelt sind, könnte bei seinen Benützern zu einer möglicherweise weniger bürokratische Denkweise führen.
Einen Lunarkalender mit großer Genauigkeit zu konstruieren, ist jedoch nicht so einfach, wie man dies zunächst annehmen möchte. Die wesentliche Eigenschaft eines Lunarkalenders muß darin bestehen, das seine Kalendermonate mit den Phasen des Mondes über einen sehr langen Zeitraum hinweg synchron bleiben. Wenn wir einfach ein Jahr zu 13 Kalendermonaten mit 30 Tagen, 29 Tagen, 30 Tagen, usw. verwenden, dann erhalten wir für die Länge des Kalenderjahres 384 Tage. Dieses Jahr unterscheidet sich von 13 mittleren Lunarmonaten im Durchschnitt um 0.1023 Tage, da 13 * 29.53059 genau 383.8977 Tage ergibt. Daher würde dieser Kalender nach zehn von den 13-Monate-Jahren um 1.023 Tage abweichen, und in weniger als einem halben Jahrhundert wäre die Sychronisation mit dem Lunarzyklus nachhaltig zerstört.
Daher sind einige Korrekturen des Grundschemas der alternierenden Monate zu 29 und 30 Tagen notwendig. Diese Korrekturen sollen sicherstellen, das sich die Neumondphase (oder die Vollmondphase) immer am ersten Tag eines Kalendermonats (zumindest aber in groser zeitlicher Nähe) ereignet. In THE INVISIBLE LANDSCAPE (Seite 114) wird vorgeschlagen, das alle zehn 384-Tage-Jahre ein Schalttag einzufügen ist. Dadurch dauert jedes 10.Jahr 385 Tage. Tatsächlich ist es notwendig, einen Tag abzuziehen, anstatt einen zu addieren. Dies würde die durchschnittliche Länge eines Kalendermonats auf (10*384-1)/(10*13) = 29.53077 Tage bringen. Dies ist um 0.00018 Tage geringer als der gegenwärtig korrekte Wert. Daher würde dieser Kalender nach 5600 Kalendermonaten ( = 1/0.00018) oder ungefahr 450 mittleren Solarjahren um einen ganzen Tag falsch gehen.
Die so erzielte Genauigkeit ist nicht schlecht, aber andererseits auch nicht gut genug. Sie genugt nicht den Anforderungen an einen Kalender, dessen Gebrauch und Exaktheit über eine Periode von mehreren tausend Jahren gesichert sein sollte. Es zeigt sich nun, das es möglich ist, einen deterministischen (d.h. durch Regeln gesteuert) Lunarkalender zu entwerfen, der nicht nur genauer ist, sondern zudem auch noch einfach! Ein solcher Kalender wird hier in The Goddess Lunar Calendar vorgestellt. Siehe auch The Meyer-Palmen Solilunar Calendar.
Geschrieben Februar 1998. Stand: 2003-09-15 CE
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